Protest

Ureigenste Aufgabe der Hebamme ist es zu helfen. Jetzt allerdings brauchen die Hebammen selber Hilfe!
Im Frühjahr 2010 wurde deutlich, dass drastisch erhöhte Berufshaftpflichtprämien um mindestens 50% für Hebammen nicht mehr bezahlbar sind. Inzwischen haben mehr als 20 Prozent der Kolleginnen bereits aufgegeben und praktizieren nicht mehr in der Geburtshilfe, der ursprünglichsten Hebammentätigkeit!


Bei unserem Kampf um finanzierbare Arbeitsbedingungen haben wir in den letzten vier Jahren sehr viel Unterstützung erfahren. Die Bevölkerung hat erkannt, dass Geburtshilfe ohne Hebammen weit reichende Konsequenzen für sie haben wird.

Mehr dazu erfahren Sie hier: Hintergrundwissen

 

Was ist bisher passiert?

April 2014

  • Veröffentlichung des Abschlusspapiers der interministeriellen Arbeitsgruppe (PDF 2 MB)
  • Begleitbrief des Bundesgesundheitsministers zum Abschlusspapier (PDF)
  • Stellungnahme von Hebammen für Deutschland zum Abschlusspapier (PDF)

Februar 2014

  • Vorlage des Abschlusspapiers der Arbeitsgruppe.
  • Am 14.2. Kündigung der Haftpflichtversicherung im Hebammensegment durch die Nürnberger Versicherung zum 30.06.2015 mit großem Medienecho, z.B. in der Tagesschau (ab min. 9.30).
  • Gespräch am 18.2. mit dem neuen Gesundheitsminister Hermann Gröhe in Berlin ohne konkrete Ergebnisse.
  • Im Rahmen der Onlinepetion Schwangere sind nicht flexibel bündelt sich der bundesweite Elternprotest
  • Bundesweite Vernetzung des Elternprotestes auf hebammenblog.de und hebammenunterstuetzung.de
  • Mahnwachen in vielen deutschen Städten
  • 25.2. Auftaktveranstaltung des Runden Tisches Geburtshilfe in NRW

Februar 2013

Januar, März, Juni und September 2013

  • Tagungen der interministeriellen Arbeitsgruppe in Berlin unter Führung des Bundesministeriums für Gesundheit.

Oktober 2012

  • Treffen mit Kanzleramtsminister Pofalla, Gesundheitsminister Bahr und Familienministerin Schröder. Einrichtung der interministeriellen Arbeitsgruppe mit 7 Ministerien, zur Versorgung mit Hebammenhilfe (Themen: Haftpflicht, Vergütung, Datenerhebung, flächendeckende Versorgung, Qualität der Geburtshilfe, z.B. Senkung der Kaiserschnittrate, Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit), die in 2013 viermal tagt.
    Ein Abschlusspapier wird für November 2013 zur Vorlage bei der Regierung angekündigt.

September 2012

  • Im Rahmen vom Dialog über Deutschland stellen Hebammen für Deutschland ihren Vorschlag der Bundeskanzlerin persönlich vor.

Sommer 2012

  • Aktion der Onlineprotestplattform Campact zum Erhalt des Hebammenberufsstandes: mehr als 140.000 Unterschriften werden Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr persönlich übergeben. Parallel hierzu sind die Hebammenverbände zu mehrstündigen Gesprächen bei Herrn Bahr eingeladen.

Juni 2012

  • Betriebskostenpauschale der hebammengeleiteten Einrichtungen wird von bisher 550 Euro auf 700 Euro/Geburt für vorläufig drei Jahre erhöht. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie auf der Seite des BfHD.
  • Übernahme der Gebührenregelung ins SGB 5 und Anpassung § 134a zur Qualitätssicherung und Erweiterung von Hebammenleistungen zwischen GKV und Hebammenverbänden.

Mai 2012

  • Die in der Reichsversicherungsordnung (RVO) von 1911 (!) enthaltenen Regelungen der Hebammenhilfe und die folgenden Erweiterungen sollen in das Sozialgesetzbuch V (SGB V) übertragen werden. Lesen Sie hierzu auch die Stellungsnahme des BfHD, Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands.

Frühjahr 2012

  • Hebammen für Deutschland bringen ihren Vorschlag der Zukunftssicherung der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland im Dialog über Deutschland (eine Initiative der Bundeskanzlerin) ein. Die Resonanz in der Bevölkerung ist enorm.

2011

  • Als Folge der Tatenlosigkeit von Seiten von Politik, Krankenkassen und Versicherungswirtschaft geraten Hebammen weiter unter Druck. Immer mehr Hebammen geben die Geburtshilfe auf.
  • Gleichzeitig steigt die Kaiserschnittrate dramatisch auf über 32% an.

November 2010

  • Zweites Gespräch mit Gesundheitsminister Philipp Rösler. Prüfung des § 134a (zu Gebührenregelung für Hebammen durch die Krankenkassen).
  • Zusage einer Datenerhebung zur Vergütungssituation der Hebammen - allerdings fehlt uns eine Erhebung zur Versorgungslage der Bevölkerung durch Hebammen.

Juli 2010

  • Verhandlungen mit den Krankenkassen ohne nennenswerte Erhöhungen (30€ pro Hausgeburt und 8€ pro Beleggeburt)

Juni 2010

  • Anhörung der eingebrachten Petition ohne Ergebnisse - laut Staatssekretär im Gesundheitsministerium Daniel Bahr bestehe kein Handlungsbedarf.

Mai 2010

  • Petition vom Deutschen Hebammenverband (DHV) wird von 186.000 Menschen unterzeichnet. Es ist die meistgezeichnete Petition, die je an den Deutschen Bundestag gerichtet wurde.
  • Bundesweiter Protest am 05.05.2010, dem internationalen Hebammenaktionstag. In diesem Video können Sie sich einen Eindruck vom Protest in Köln machen.
  • Die Medien - wie Tagesthemen, WDR, Spiegel, die Zeit und v.a. - berichten ausführlich.
  • Erstes Gespräch mit Gesundheitsminister Philipp Rösler: Ankündigung eines runden Tisches mit Bundesgesundheitsministerium, Justizministerium und Familienministerium, Gespräch mit dem GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungs-Wirtschaft).


Es ist viel in Bewegung gekommen, aber die Haftpflichtproblematik zwingt weiterhin viele Hebammen aufzugeben. Deshalb mischen Sie sich bitte weiterhin ein und sorgen Sie mit dafür, dass Ihre Kinder und auch Enkelkinder noch mit Hebammenhilfe geboren werden können.

Hier einige Vorschläge:

  • Schreiben Sie den Abgeordneten Ihres Wahlkreises wie wichtig Sie Hebammenhilfe finden, ebenso Ihrer Krankenkasse. Sagen Sie ihnen, dass Sie sich Wahlprogramme genau anschauen unter dem Aspekt der Unterstützung der Hebammen, und dass es Ihnen bei einer Krankenkasse wichtig ist, dass sie sich dafür einsetzt, dass es auch weiterhin Hebammen gibt.

Kontaktadressen Ihrer Krankenkasse können Sie hier nachschlagen:

  • Erzählen Sie Freundinnen, Verwandten und Bekannten von Ihren guten Erfahrungen und tauschen Sie sich in Internetforen aus.
  • Ein Beispiel für eine gelungene Elternaktion: der Blog "Mamaprotest" 
  • Falls Sie zur Geburt in eine Klinik gehen, dann fragen Sie nach, wie der "Stellenschlüssel" im Kreißsaal aussieht; nur mit einer guten und intensiven Begleitung fühlen sich Frauen nicht behandelt wie am Fließband.
  • Wenn Sie im Internet oder in der Zeitung einen Artikel zum Thema entdecken, dann schreiben Sie einen Leserbrief. Nur wenn das Thema weiterhin in den Medien bleibt kann sich auf Dauer etwas ändern.
  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende. Spenden an unseren gemeinnützigen Verein sind steuerlich absetzbar, Spendenquittungen werden gerne ausgestellt.

...aus der Sicht einer Mutter

Liebe Eltern,

wie Sie auf der Homepage von Hebammen für Deutschland gelesen haben, hat sich unsere Situation in Deutschland trotz großer Proteste nicht gebessert. Noch immer sind viele Hebammen gezwungen, ihren Beruf aufzugeben, weil sie finanziell nicht in der Lage sind, die extrem hohe Haftpflichtversicherung, zu tragen. Es kann nicht sein, dass die Politik hier noch immer keine Abhilfe geschaffen hat, wo schon vor Monaten eine Lösung hätte gefunden werden sollen. Es scheint, dass die Politiker und alle anderen verantwortlichen Personen noch immer nicht begriffen haben, dass es für uns Frauen und werdende Eltern keine wichtigere Person als eine Hebamme gibt! Sie ist diejenige, die uns in jedem Moment unserer Schwangerschaft, unserer Geburt und unserem Wochenbett mit ihrer Kraft, ihrer Geduld, ihrem Können und Wissen zur Seite steht, wann immer wir sie brauchen. Alleine bei ihr können wir uns fallen lassen und die natürlichste Sache der Welt, das Mutter werden und Mutter sein, vollkommen erleben!

 

Vielleicht sind Sie heute bereits in der Situation, keine Hebamme mehr gefunden zu haben, die Sie während ihrer Schwangerschaft und im Wochenbett betreut und Sie in einem der besondersten, vielleicht schönsten Moment ihres Lebens, der Geburt ihres Kindes, begleitet. Eine große Zahl werdender Mütter kann schon jetzt ihr Kind nicht dort zur Welt bringen, wo sie es sich gewünscht hätte, nämlich zu Hause oder im Geburtshaus, oder auch im Krankenhaus mit einer Beleghebamme, die sie kennt und der sie vertrauen kann. Dies wird sich, wenn sich nicht sofort etwas ändert, in den nächsten Monaten und Jahren immer mehr zuspitzen. Die Situation wird immer kritischer und die Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind sowie auf die Qualität der Geburtshilfe sind enorm. Uns Frauen werden Wahlmöglichkeiten genommen und immer mehr Schwangere sehen sich gezwungen, zur Geburt in ein Krankenhaus zu gehen und ihre Kinder mit einer ihnen fremden Hebamme zur Welt zu bringen. Schwangerschaft und Wochenbett alleine ohne persönliche Hebammenbetreuung zu verbringen droht uns immer häufiger. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen!

 

Bitte teilen Sie Ihrer Krankenkasse und den Politikern Ihrer Umgebung mit, wenn Sie keine Hebamme mehr gefunden haben, die Sie betreut, damit hier eine sofortige Lösung gefunden werden kann. Wir können und dürfen die momentane Situation nicht einfach so hinnehmen.

 

Es wäre schön, wenn Sie Ihrer Krankenkasse und/oder Ihrem Abgeordneten auch dann einen kurzen Brief schreiben, wenn Sie eine Hebamme gefunden haben, um ihnen mitzuteilen, dass Sie mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden sind, damit sie endlich wachgerüttelt werden.

 

Jede einzelne unserer Stimmen zählt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Mutter Nina Vela-Sanchez

Bonn

 

...aus Sicht einer ratlosen, schwangeren Doula

Sehr geehrte Krankenkassen, Politiker/innen/ Abgeordnete, Mitbürger/innen,
ich bin schockiert, wütend und gleichzeitig ohnmächtig! Von Tag zu Tag schwindet mein Wunsch, in einem Sozialstaat auf freie, kompetente Hebammenhilfe bauen zu können, mehr.
Warum? Ich kann keine Hebamme in unserer ganzen Region finden, die es sich noch leisten kann, Hausgeburten zu begleiten! Meine letzten Geburten waren komplikationslos, wunderbar, ekstatisch und schmerzfrei gerade durch eine kompetente und kontinuierliche Hebammenbegleitung. Ich sehe NICHT ein, warum ich auf Grund politischen Schweigens und fehlender Stellungnahme das Komplikationsrisiko meiner anstehenden Geburt erhöhen sollte. Die einzige Möglichkeit, hier in der Region dann im Krankenhaus zu gebären, stellt für mich KEINE Alternative dar.
Das Risiko, dadurch in einer hausgemachten Komplikationsspirale zu landen, keine heimische Atmosphäre um mich zu haben und nicht selbstbestimmt in meinem für die Geburt so wichtigen eigenen Rhythmus gebären zu können, ist mir hier zu hoch. Ursachen dafür finden sich m.E. vor allem in der Wirschaftlichkeit unseres Gesundheitswesens, welches es kaum/nicht (mehr) erlaubt, eine so wichtige 1:1 Betreuung unter der Geburt durch kompetentes Personal und eine für einen komplikationsarmen Geburtsprozess vertraute Atmosphäre herzustellen.

In meiner Arbeit als Doula begleite ich Frauen und Paare unter der Geburt und konnte leider mehr als einmal die NICHT NUR seelischen Folgen erleben, wenn Frauen nicht in ihrem Rhythmus, kaum selbstbestimmt und nicht in vertrauter Atmosphäre mit stes wechselndem Personal gebären mussten. Mit zunehmendem Leistungsdruck ist auch eine Zunahme von Hektik und fehlender Mitmenschlichkeit zu beobachten.
Als verantwortungsbewusste Mutter und Frau bin ich nicht bereit mein Kind in solch einer Hektik zur Welt zu bringen!
Die WHO legt nahe, dass eine Kaiserschnittrate über 15% nicht gerechtfertigt ist und lediglich das Risiko für Mutter und Kind signifikant erhöhen. In Deutschland liegen wir bei über 30% - Tendenz steigend. Die Sicherheit von Hausgeburten ist mittlerweile auch in einigen Studien erwiesen. An dieser Stelle sei auf eine Studie (auch wenn sie schon etwas älter ist, sollte sie doch zum Nachdenken anregen dürfen) im deutschen Ärzteblatt verwiesen: "Geplante Hausgeburt so sicher wie Entbindung in der Klinik". Hier sprechen einige Fakten, wie u.a. postpartale Blutungen (minus 38%); Infektionen (minus 6%); seltener vaginale Verletzungen; Kinder mussten zu 77% weniger wiederbelebt werden, für die Hausgeburt. Nicht zu unterschlagen die Feststellung: "wenn die Geburt von einem Arzt geleitet wurde, war der Unterschied sogar noch größer"(ebd). Die positiven Effekte z.B. auf Geburtsdauer, Schmerzminderung und Bonding sind hier noch gar nicht weiter erwähnt, aber ebenfalls nicht zu verachten!
Eine Hebamme, die solch eine wunderbare und sichere Geburtsmöglichkeit durch ihre Kompetenz ermöglicht, die Fachfrau auf diesem Gebiet ist und verantwortlich bei der Geburtsleitung für das Leben von Mutter und Kind, erhält für ihre Arbeit, bei der sie sich allein zusätzlich eine 6-wöchige Rufbereitschaft abzudecken hat, ein Monatsgehalt welches kaum ihren Lebensunterhalt sichert. Beinahe drei Monatsgehälter muss sie allein für ihre Haftpflichtprämie opfern, um ihre Arbeit überhaupt ausführen zu können.
In vielen Regionen Deutschlands reagieren selbst gynäkologische Praxen immer noch mit Unverständnis, wenn eine Frau die klassische Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen von einer Hebamme durchführen lässt und allenfalls zu den drei angeratenen Ultraschallterminen in der Praxis erscheint - es sei der Abrechnungsposten für den Arzt. Da haben wir also kompetente Fachfrauen im Staat und sie werden in ihrer Arbeit behindert bzw. können sie aus Kostendeckungsgründen gar nicht ausführen.
Ich möchte lediglich bewusst von meiner Wahlfreiheit gebrauch machen, kombiniere dies mit meinem Wissen, dass eine kontinuierliche und kompetente Geburtsbegleitung durch eine Hebamme in heimischer Atmosphäre die für mich sicherste Gebärmöglichkeit wäre und muss feststellen, dass es mit der Wahlfreiheit als Frau im deutschen Staat nicht weit her ist! Eine verantwortungsbewusster und vertrauter Start ins Leben ist also so wichtig, dass keine Notwendigkeit zu sehen ist, eine politische Basis für eine opimale Geburtsbegleitung durch Fauchfrauen! so zu ermöglichen, dass sie von ihrer Arbeit leben können. Warum auch u.a. hausgemachte Komplikationen und unachtsame Begegnungen in Kliniken den Frauen gegenüber kann man sich sicher auch irgendwann schön reden. Familien- und Kinderförderung beginnt mit stets neu geschnürten Bildungspaketen. Dann ist bei der eindeutigen Lage auch wirklich kein Handlungsbedarf der Geburtsbegleitung mehr zu sehen...
Ich bin im Schönreden nicht so gut und wünsche mir DRINGLICHST eine Möglichkeit, mein Kind in einer achtungsvollen Geburt mit kompetenter Hebammenbegleitung zu Hause gebären zu dürfen!

Mit hoffnungsvollen Grüßen auf eine respektvolle Lösung

Navina Salomon